Auf der Flucht – Literarische Stimmen aus Flucht und Exil

So lautete der Titel eines beeindruckenden literarischen Abends in der Evangelischen Kirche Cölbe am 11. November 2018. Maximiliane Jäger-Gogoll und Johannes M. Becker trugen Lieder und Texte vor, die vom erzwungenen Verlust der Heimat zeugten. Heinrich Heine mit Gedichten aus seinem Pariser Exil war darunter. Weitere deutschsprachige Texte stammten von Anna Seghers, Bertolt Brecht, Hermynia zur Mühlen, Robert Neumann und Hilde Spiel. Die meisten von ihnen wurden als Juden, Sozialisten oder linke Intellektuelle von den Nazis außer Landes getrieben. Und so wurde auch der Bezug zur Reichspogromnacht am 9. November 2018 deutlich, mit der die systematische, staatlich organisierte Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland und Europa eingeläutet wurde.

Aber auch andere Exilerlebnisse wurden thematisiert. Der palästinensische Schriftsteller Mahmoud Darwish setze sich mit Vertreibung und Flucht der palästinensischen Bevölkerung aus ihren Wohngebieten nach den Kriegen von 1948 und 1968 auseinander. Er bezog sich dabei auf die biblische Geschichte Josephs und seiner Brüder. Julia Tieke hat ihren Chat mit dem syrischen Flüchtling Faiz dokumentiert, den die Erfahrungen auf der Balkanroute fast in den Selbstmord trieben. Der Titelsong aus dem DDR-Kultfilm „Paul und Paula“, Walter Mossmanns „Hexenhammer“ sowie Lieder von George Moustaki, John Denver, Paul Eluard und den Dubliners ergänzten das Programm.

Mehr als hundert Gäste waren der Einladung des Cölber Arbeitskreises Flüchtlinge in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde gefolgt. Sie dankten dem Duo mit stehendem Applaus. Becker und Jäger Gogoll hatten auf jegliche Gage verzichtet. Stattdessen riefen sie zu Spenden für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Cölbe auf. Mit Erfolg, wie sich nach dem Öffnen der Spendenbox zeigte. Sie enthielt über 620 Euro.